Wie die Exponentialkurve Ihre Erträge auffrisst

Die Menschheit hat eine schwache Stelle und sie heißt exponentielles Wachstum. Denn hier versagt unser Gehirn. Wir sind zwar in der Lage eine Zahl mit der Hilfe eines Computers zu berechnen, doch ihre Bedeutung ist uns nicht begreiflich. Es gibt einige Geschichten oder Beispiele, die uns eine Exponentialkurve verdeutlichen kann, um zu verstehen was dahinter steckt. Wir haben eine davon ausgewählt um Ihnen einen Einblick zu ermöglichen.

Der, nach indischen Legenden, Erfinder des Schachspiels Sissa ibn Dahir lehrte den Herrscher Shihram das Schachspielen, damit dieser davon absehe seine Untertanen weiter zu tyrannisieren. Als Dank gewährte er Sissa einen Wunsch. Doch dieser wünschte sich kein Gold oder Land, sondern ein paar Weizenkörner. Und zwar ein Korn auf das erste Schachfeld, zwei Körner auf das zweite Feld, vier Körner auf das dritte Feld - also jeweils das doppelte. Lachend willigte der König dieser bescheidenen Bitte ein. Als sich Shirhram erkundigte ob Sissa seine Belohnung erhalten hätte, teilten ihm seine Berater mit, dass es im ganzen Land nicht genug Weizen gäbe, um diesen Wunsch zu erfüllen. Denn um alle Felder füllen zu können hätte man 18.446.744.073.709.551.615 (264−1) Körner benötigt. Genug um die gesamte Erdoberfläche mit Körnern zu bedecken.

Dieser Effekt lässt sich mit unserem Verstand nicht erfassen. Umso sensibler und vorsichtiger müssen wir sein, wenn wir mit Situationen konfrontiert werden, die damit in Verbindung stehen. Vor allem wenn unsere Zukunft davon abhängt. Der gleiche Effekt begegnet uns immer wieder in unserem Alltag. Zum Beispiel als Zinseszins bei unseren Geldanlagen. Die Analogie des Josephspfennig verdeutlicht den Unterschied zwischen Zins und Zinseszins.

Richard Price versuchte 1772 extrem schwer vorstellbare Beträge zu berechnen, welche dem Zinseszinseffekt unterliegen. Seine Annahme beruht darauf, dass zu Christi Geburt Josef von Nazaret (auf das Jahr 2000 umgerechnet) 1 Cent im Jahre 0 für 5 % anlegt. Wäre Jesus im Jahr 2000 zur Bank gegangen und hätte sein Geld verlangt, so hätte man ihm 23,9 Sextilliarden Euro (0,1 * (1 + 0,05)2000) auszahlen müssen - eine Zahl mit 39 Nullen oder anders ausgedrückt - bei dem Goldpreis des Jahres 2000 wären dies umgerechnet 421 Milliarden Erdkugeln aus Gold gewesen. Und um den Unterschied zu verdeutlichen: Hätte Jesus nur Zinsen ohne Zinseszinsen verdient, wäre sein Guthaben lediglich auf 1,01 € angewachsen.

Unser Problem besteht darin, dass wir so nicht nur Guthaben anhäufen. Kosten entwickeln sich ebenso exponentiell oder verringern im gleichen Maß unsere Erträge. Die meisten Anleger sind gegenüber Kosten nicht sensibilisiert. Zum einen werden Ihnen die tatsächlichen Kosten verschleiert und zum anderen werden dem Verbraucher die Auswirkungen nicht klar. Dazu zählen ausgewiesene Kosten wie Ausgabeaufschläge und Managementgebühren, als auch undurchschaubare Kosten wie Retrozessionen (kick-backs).

Anleger müssen sich darüber bewusst werden und sich für diese Kosten sensibilisieren, denn sie haben im erheblichen Maß direkten Einfluss auf den Erfolg des Investments.

In einer angenommen Anlage von 100.000 € und einer klassischen Kostenquote von 5 % Ausgabeaufschlag sowie 1,2 % Verwaltungsgebühr bzw. einer Management-Fee von 0,6 % liegt der Erfolgsunterschied nach 30 Jahren bei rund 155.000 €. Der Anleger verdient also 155.000 € weniger, alleine durch die Kostendifferenz der offensichtlichen Kosten.

II. Häufiges Handeln

Wieso hohe Handelsquantitäten Ihrer Rendite schaden

Wissenschaftler der Universität Frankfurt untersuchten im Auftrag der Stiftung Warentest 5000 Depots im Zeitraum von 2002 bis 2012. Sie analysierten welche Auswirkungen die Anzahl von Transaktionen auf die Nettorendite der Anleger haben.

Es gibt durchaus gute Argumente für die Umschichtung von Portfolios. Dazu zählt das regelmäßige Rebalancing - die Wiederherstellung des ursprünglichen Rendite-/Risikoprofils und der gleichzeitigen Partizipation an der Contrarian-Strategie. Jedoch beobachteten die Forscher bis zu 300 Trades pro Jahr in den Portfolios der Investoren. Eine so enorme Anzahl kann nicht auf diese Weise argumentativ erklärt werden. Welches Motiv gibt es dann für diese hohe Quantität und steckt tatsächlich eine erfolgreiche Strategie dahinter?

Zunächst sollte man betrachten, welche die häufigsten Auslöser für Umschichtungen sind. Viele Handelsaufträge werden auf Anraten von Finanzberatern ausgelöst. Sie versprechen ihren Kunden durch dynamisches Handeln Überrenditen (dem sog. positiven Alpha) und ein geringeres Risiko (dem sog. Betafaktor). Jedoch sollte man die Intension des Beraters genauer hinterfragen.

Tatsächlich ist es so, dass der Verbraucher für den Finanzvermittler in erster Linie ein Kostenfaktor ist. Erst durch den Verkauf von Produkten können Provisionen eingestrichen werden und der Berater kann Geld verdienen. Im Grunde genommen ist daran nichts Verwerfliches. Die Vergangenheit zeigte allerdings, dass ein großer Teil der Berater ohne Notwendigkeit für den Verbraucher, die Portfolios umstrukturierten und somit jedes Mal Kosten erzeugten. Nicht jeder Finanzberater auf Provisionsbasis handelt so, jedoch sollte der Anleger sich darüber im Klaren sein. Honorarberater unterliegen diesem Konflikt nicht, da Sie direkt durch den Verbraucher für dessen Beratung bezahlt werden und die Finanzinstrumente gibt es quasi kostenfrei dazu.

Eine weitere menschliche Schwäche, welche nicht nur Anlegern vorbehalten ist, sondern auch unter "Experten" weit verbreitet ist, führt regelmäßig zu Fehlinvestitionen. Nassim Taleb nutzte eine methodische Fragetechnik um menschliches Verhalten analysieren zu können. So wollte er unter anderem Wissen wie hoch der Kerosinverbrauch eines Airbus sei oder wie lang der Mississippi ist. "Definieren Sie die Spanne der Kilometer so, dass Sie mit Ihrer Schätzung zu achtundneunzig Prozent richtig und nur zu zwei Prozent falsch liegen." Dabei durfte jeder Proband die Spanne selbst bestimmen. Eine solche Spanne hätte lauten können zwischen 500 Kilometern und 5000 Kilometern. Jedoch lagen nicht zwei sondern vierzig Prozent der Probanden daneben. Ähnliche Verhaltensweisen findet man überall in unserem Alltag: 84 % der befragten Männer gaben an überdurchschnittlich gute Liebhaber zu sein und 90 % der Schweden gaben an überdurchschnittlich gute Autofahrer zu sein.

Auf dieses Phänomen stießen bereits zwei weitere Forscher: Marc Alpert und Howard Raiffa und gaben ihm einen Namen: Overconfidence oder zu Deutsch Selbstüberschätzung. Zum Leidwesen vieler Investoren tritt der gleiche Effekt bei Prognosen von Aktienkursen auf. Wir überschätzen unsere Fähigkeiten Kursentwicklungen vorauszusagen drastisch. Overconfidence beschreibt nicht die Fähigkeit eine einzelne Prognose abzugeben, sondern basiert auf der Differenz zwischen dem, was man annimmt zu wissen und dem was man tatsächlich weiß. Noch interessanter ist die Tatsache, dass Experten diesem Phänomen erheblich stärker unterliegen als "Nicht-Experten". Ein Berater liegt mit seiner Prognose gleichermaßen daneben wie der Laie. Nur ist der Experte mit einer ungeheuren Selbstüberschätzung am Werk.

Dennoch haben Privatinvestoren es besonders schwer, denn wie Untersuchungen zeigten unterliegen sie zusätzlich dem "Self-Attribution Bias" (der selbstwertdienlichen Verzerrung). Das bedeutet, dass systematisch Anlageerfolge dem eigenen Verhalten zugeschrieben werden, während für Misserfolge andere, äußere Faktoren verantwortlich gemacht werden. Besonders beliebt sind "die Umstände" oder einfach "das Pech". Daher lernen Investoren unzureichend aus ihren Misserfolgen und begehen die gleichen Fehler immer wieder.Die Folge ist, dass Anleger wiederholt versuchen durch geschicktes Handeln eine höhere Rendite zu erzielen und damit maßgeblich scheitern.

Wie bereits erwähnt beschäftigten sich mehrere Wissenschaftler mit der These durch aktives Handeln eine Überrendite zu erzielen. Dazu zählen unter anderem die Studie der Universität Frankfurt, der Stiftung Warentest und die wissenschaftliche Arbeit von Brad Barber und Terrance Odean, die mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat.

Sämtliche wissenschaftlichen Untersuchungen kamen zu analogen Resultaten: Portfolios mit hohen Handelsquantitäten unterschieden sich nur marginal in der Bruttorendite im Vergleich zu Portfolios mit niedrigeren Quantitäten. Ein deutliches Alpha konnte so gut wie nicht erzielt werden. Gestiegen ist jedoch der Ertrag, der in die Kassen der Banken geschwemmt wurde - durch wachsende Kosten. Diese mindern die Rendite der Verbraucher wesentlich und sorgen für erhebliche Unterschiede in der Nettorendite der Investoren.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass übermäßiges Handeln nur einem hilft: Ihrer Bank und Ihrem Vermittler. Apathie hilft jedoch auch nicht. Vernünftige Rebalancings und Strukturierungen gehören zu einem erfolgreichen Depot.

Renditeeinbußen

III. Fehlerhafte Konstruktion

Wie Psychologie Ihr Portfolio ins Wanken bringt

Ein Partnerprogramm zwischen England und Frankreich: Es gab zu wenige Sitzplätze, sie war viel zu laut und sie verbrauchte Mengen an Kerosin. Die Rede ist von der Concorde. Obwohl beide Länder schon lange einsahen, dass das 1976 konstruierte Überschallpassagierflugzeug sich niemals rentieren würde, wurden weiterhin Unsummen investiert. Das Eingestehen einer Fehlinvestition stand nicht zur Debatte und käme nie in Frage. Dieses Projekt steht wie kein zweites als Paradebeispiel für ein staatliches Defizitprojekt und bezeichnet gleichzeitig ein bekanntes psychologisches Phänomen: den Concorde-Effekt. Er führt nicht nur zu kostspieligen, sondern geradezu verheerenden Entscheidungsfehlern, welche in unserer Geschichte nicht nur Geld und Ressourcen kosteten, sondern auch unzählige Menschleben.

Jeder von uns muss täglich Entscheidungen treffen mit denen wir gewisse Erwartungen verknüpfen, welche dann eintreten können oder auch nicht. Läuft etwas nicht wie erwartet, steht uns jederzeit die Möglichkeit offen das fehlgeschlagene Projekt abzubrechen und uns von Fehlinvestitionen zu trennen. Der Concorde-Effekt oder die "Sunk Cost Fallacy" tritt im Besonderen dann ein, umso mehr Energie, Geld und Liebe investiert wurden. Die Investition bildet in diesen Fällen die Rechtfertigung weiter zu machen obwohl der Sinn schon lange verloren gegangen ist. Sie kennen vermutlich ähnliche Geschichten aus Ihrem Leben. "Komm, lass uns gehen. Der Film ist schlecht. Nein! Wir haben dreißig Euro für die Karten bezahlt!" oder "Jetzt sind wir schon soweit gefahren…", "Jetzt hab ich schon so viel Arbeit investiert…".

Daher trifft es Anleger in der Regel schwer, wenn Sie die Hoffnung aufgeben sollen, größere Beträge ihres hart erarbeiteten Geldes aufzugeben. In vielen Fällen orientieren sich Investoren am Einstandspreis. Liegt der aktuelle Kurs darunter, wird nicht verkauft, egal wie irrational dieser Gedankengang ist. Es gibt mehrere gute Argumente, warum ein Verbraucher weiterhin in Verlustpapiere investiert bleiben sollte. Der Einstandskurs sollte dabei jedoch keine Rolle spielen. Allein der aktuelle Stand und die zukünftige Entwicklung sind von Bedeutung und sollten bei rational begründeten Entscheidungen maßgeblich sein.

Doch damit ist es nicht getan. Es gibt eine Vielzahl an psychologischen Phänomenen, die den Verbraucher beeinflussen und seine Anlageerfolge schmälern können. Seit etlichen Jahren wird Investoren gebetsmühlenartig gepredigt, dass sie ihre Portfolios zu diversifizieren hätten. Selbst weniger begabte Finanzexperten sind auf diesen Zug aufgesprungen und werden nicht müde diese Aufforderung zu wiederholen. Unter der Diversifikation versteht man die Verteilung von einzelnen Risiken auf mehrere Risikoträger, um das Kursrisiko möglichst zu eliminieren. Im Zuge dessen wird das Vermögen des Verbrauchers auf verschiedene Investments verteilt, die (in der Theorie) nicht miteinander verknüpft sind (korrelieren).

Tatsächlich ist die Diversifizierung mit unter das zentrale Kernelement des Anlageprozesses. Umso erstaunlicher ist es, dass zwar fast jeder Verbraucher und jeder Experte der These "Nicht alle Eier in einen Korb zu legen" zustimmen, in der Praxis jedoch eine gänzlich andere Realität gelebt wird. Auch hier befinden sich oft nicht nur Anleger auf dem Holzweg, Experten lassen sich ebenso in die Irre führen. Das Forschungsinstitut für Assetmanagement analysiert in seinem Forschungsbericht 2005 von vier verschiedenen Quellen vier verschiedene Datenerhebungen aus dem Zeitraum von 1994 bis 2004, welche sich mit den Depotstrukturierungen der G7-Nationen befassen. Die empirischen Daten belegen, dass die untersuchten Portfolios einem sogenannten "Equity Home Bias Puzzle" zum Opfer fallen. Es bezeichnet die Tendenz, dass Anleger vorwiegend in lokale Finanzinstrumente investieren - also den Heimatmarkt Übergewichten. Deutsche Anleger investieren vorzugsweise in den DAX und französische Anleger präferieren den CAC 40. Alle vier liegen im Durchschnitt bei rund 60 % Fehlgewichtung. Zum einen ist dies auf eine asymmetrische Informationsverteilung zurückzuführen.

Investoren fällt es schlicht einfacher Einblick in lokale Unternehmen zu bekommen und Fakten über diese zu recherchieren. Weiterhin schrecken Unkenntnis über Steuersysteme und Rechtslage Verbraucher ab. Werbung und aktuelle Trends, welche immer und immer wiederholt werden tragen ihr Übriges dazu bei, dass sich in Anlegerportfolios "Klumpen" bilden. Das stellt jedoch ein elementares Problem dar, da der Erfolg eines Investments in solch einer Konstellation maßgeblich von der Entwicklung einer einzigen Größe abhängt - man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Cluster-Risiko. Noch gravierender ist diese Situation unter Berücksichtigung der Studie von Brinson, Beebower und Hood einzuschätzen.

Sie stellten im Financial Analysts Journal fest, dass rund 94 % des Anlageerfolges auf der richtigen Strukturierung des Portfolios (Asset Allocation) basieren und nicht auf der Auswahl der einzelnen Titel und dem Zeitpunkt des Erwerbs.
Diversifizierung

Ebenso wichtig wie die Erkennung der Ursachen ist es die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wie Sie die Erkenntnisse nutzen können um mit einer Anlageoptimierung Ihr Portfolio robuster zu gestalten und Ihre Rendite zu maximieren, erfahren Sie in unserem nächsten Artikel. Wir zeigen Ihnen wie Sie mithilfe der Honorarberatung weitere Vorteile nutzen können und wie die Honorarberatung Sie für finanzielle Katastrophen wappnet.

Autor: Paul Beck
Co-Autor: Evi Kupsch

Strategy Beck Honorarberatung
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