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Infothek | Vermögensmanagement | Finanz- und Vermögensplanung

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Definition

Bei der privaten Finanz- und Vermögensplanung („Financial Planning“) handelt es sich um eine umfassende und ganzheitliche Betrachtung sämtlicher finanziellen Aspekte des „Unternehmens“ Privathaushalt.

 

Die private Finanzplanung ist ein systematischer Prozess, der Kunden helfen soll, ihre finanziellen Ziele zu konkretisieren und unter Berücksichtigung der finanziellen, rechtlichen, persönlichen und familiären Ausgangslage sowie externer Rahmenbedingungen optimal zu erreichen. Mit der u.a. Aufgabe, Privatkunden bei der Erfüllung finanzieller und wirtschaftlicher Wünsche zu unterstützen. Zu den Arbeitsgrundlagen gehören Liquidität, Vermögen, Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen (GuV`s), persönliche Ziele und Präferenzen. Teils werden zusätzlich auch vertiefende Segmente wie Estate-Planning (Erbschaftsplanung) u. ä. geboten.

 

Die private Finanzplanung ähnelt insofern den betriebswirtschaftlichen Auswertungen und den Bilanzen, die Unternehmensberater und Steuerberater für Unternehmen erstellen, und die ohne diese Zahlenwerke nicht gesteuert werden können. In Anlehnung an diesen betrieblichen Hintergrund spricht man bei der privaten Finanzplanung auch vom „Unternehmen Privathaushalt“, welches es zu analysieren/ optimieren gilt.

 

 

Ablauf

Der Prozess besteht aus Datenerfassung, Analyse und Planung, Dokumentation sowie zukünftiger Betreuung mit periodischer Kontrolle. Durch die analytische Vorgehensweise ist die Finanzplanung zum Inbegriff der kundenorientierten Beratung geworden, die deutlich im Gegensatz zur allgemein üblichen produktorientierten „Finanzberatung“ stehen soll.

 

Von Anfang bis Ende der Finanzplanungs-Beratung steht das individuelle ganzheitliche Finanz- und Vermögenskonzept im Vordergrund, welches nicht nur das Geld-, Wertpapier- und Realvermögen umfasst, sondern auch Versicherungsprodukte und Schulden mit einbezieht sowie die persönliche Situation, individuelle Vorgaben und Gegebenheiten berücksichtigt. Zielsetzung: bspw. Kostenoptimierung, Erhalt und Ausbau des Vermögens aber auch Potenziale für eine verbesserte Nachsteuerrendite lokalisieren u.v.a.m. Die Finanzplanung ist auf Basis der Grundsätze ordnungsgemäßer Finanzplanung (GOF) durchzuführen.

 

Nutzen

Für den Kunden soll eine Financial-Planning-Beratung eine ganze Reihe von Vorteilen ergeben. Die Übersichts- und Ordnungsfunktion eines Finanzplanes hilft dem Kunden, die persönliche Vermögenssituation vertiefter wahrzunehmen und die komplexen Zusammenhänge besser zu beherrschen. Kaum ein Kunde hat sein gesamten Vermögen bei nur einem Kredit-/ Investmentinstitut bzw. einer Lebensversicherungsgesellschaft angelegt. Neben dem Gehaltskonto bei der „Hausbank“ verfügen nahezu alle deutschen Haushalte über eine Kapitallebensversicherung, dazu kommen Bausparverträge, Depots bei Direkt-Brokern usw. Schon der Überblick über alle Finanzanlagen ermöglicht eine bessere Asset Allocation. Die Optimierungsfunktion dient der Kostenminimierung sowie einer Verbesserung der Vermögensstruktur, so dass bei gleichem Risiko mehr Rendite realisiert wird, oder die gleiche Rendite bei gesunkenem Risiko. Zudem wird das Produktangebot im Finanzsektor immer komplexer und unübersichtlicher und die Altersversorgung immer unsicherer. Im Rahmen der Einbindung von vorgesehenen Abschlüssen zu Investments, Finanzierungen etc. können gerade die oft unterschätzten komplexen Wirkungsweisen im und auf das gesamte Unternehmen Privathaushalt simuliert werden. Gleichfalls lassen sich so aber auch die verschiedensten Veränderungen in Beruf und Familie im „geschlossenen Modell“ simulieren um frühzeitig Erkenntnisse bzgl. neuer/ geänderter Situationen sammeln zu können.

 

Ziele

Zu den wichtigsten Zielen der Finanzplanung gehört die Verbesserung der Vermögensstruktur (Asset Allocation), basierend auf der individuellen Situation und unter Berücksichtigung der persönlichen Ziele und Gegebenheiten. Jede Anlageart bietet dem Anleger eine Reihe von Vorteilen wie auch Nachteilen. Die Asset Allocation steht vor dem Problem, ein sog. „magisches Dreieck“ (Erweiterungen zum Vier-/Fünfeck etc. sind aber auch anzutreffen) zu realisieren. Dieses bezeichnet die drei Basisziele Rendite, Sicherheit und Liquidität eines Anlegers, die meist jedoch nicht gemeinsam in einer Geldanlage mit dem jeweiligen Optimalwert ( allerhöchste Rendite, absolute Sicherheit, jederzeitige Liquidierbarkeit/ Verfügbarkeit - ohne zusätzliche Kosten bzw. irgendwelche Nachteile) erreicht werden können. Aufgabe des Finanzplaners ist es daher, Ziele des Kunden zu objektivieren und ihm Probleme bei der Realisierung sowie entsprechende Lösungsansätze aufzuzeigen.

 

Die Schwierigkeit der Finanzplanung liegt nun darin, die für den Kunden optimalen konzeptionellen Lösungen sowie eine entsprechende Mischung aus den verschiedenen Anlageformen zu finden. Abhängig von Lebenssituation, Beruf, familiären Umstanden und anderen Determinanten (z. B. Risikobereitschaft, Risikotragfähigkeit, Erfahrungen der Vergangenheit, Kenntnisse zu Assets, Lebensstandard und Entwicklung desselben, Gesundheit u.v.a.m.) wird der Kunde individuelle Bedürfnisse an Liquidität und Sicherheit stellen. Letztlich ist es das Ziel, eine möglichst hohe Rendite unter Einhaltung der Umweltbedingungen Sicherheit und Liquidität zu erreichen. Wie angedeutet, müssen dafür die Risikoneigung und die Risikotragfähigkeit des Kunden ermittelt werden. Wichtiges Kriterium ist dabei auch, in welcher Phase des Lebenszyklus sich der Kunde befindet. Je nach Lebensphase stehen unterschiedliche finanzielle Mittel zur Verfügung, Ziele und Wünsche ändern sich im Zeitablauf.

 

In der Praxis sind insbesondere die nachfolgenden konkreten Ziele des Mandanten von besonderer Bedeutung für die Steuerung und Strukturierung des Vermögens:

 

  • Erreichung/ Sicherung/ Steigerung eines bestimmten Lebensstandards
  • Optimierung der Liquidität
  • Bestimmung und Beseitigung drohender Versorgungslücken
  • Aufrechterhaltung und Vermehrung des Vermögens (ggf. Optimierung steuerliche Aspekte, Kostenoptimierung, konzeptionelle und/ oder strukturelle Verbesserungen, Liquiditätssicherung)
  • Optimierung der Erbschaftsregelung
  • Planung der Unternehmens-/ Unternehmernachfolge

 

Ziel der Finanzplanung ist es also, die Klarheit und die Übersicht über die gesamten Vermögens- und Vorsorgekomponenten zu gewährleisten und einzelne Vermögensbestandteile strategisch aufeinander abzustimmen.

 

Das fast schon philosophische Resultat des Finanzplanes: Das Ergebnis ist mehr als die Summe seiner Bestandteile. Wobei es sich nicht um eine endgültige bzw. abschließende Betrachtung, sondern um einen dynamischen Prozess handelt, der die Zukunft im finanziellen Bereich bestmöglich sichert und optimiert.

 

Historie

Der aus dem angelsächsischen Raum stammende Begriff „Financial Planning“ ist in Deutschland noch relativ jung. In den USA versteht man unter Financial Planning sowohl die finanzielle Beratung von Privatpersonen als auch die Aufstellung einer umfassenden unternehmerischen Finanzplanung. Financial Planning für Privatkunden entstand in den 60er Jahren in den USA. Der Bedarf nach dieser Dienstleistung ergab sich aus dem „Glass-Stiegel-Act“, welches bis vor wenigen Jahren die Trennung der Banken nach unterschiedlichen Funktionen regelte. So war es den US-Banken z.B. nicht gestattet, neben Girokonten auch Investmentprodukte anzubieten.

 

In Deutschland werden von Finanzdienstleistern verschiedene Arten der privaten Finanzberatung mit unterschiedlichen Beratungsmethoden angeboten.

 

Anfänglich waren es wenige Privatbanken und institutsungebundene Beratungshäuser, die für ihre zumeist sehr vermögenden Kunden eine umfassende Finanzplanung anboten. Erst im Laufe der 90er Jahre wurden vermögende Kunden auch von Großbanken und einer breiteren Phalanx von Finanzdienstleistern als potentielle Nachfrager von Finanzplanungsdienstleistungen erkannt.

 

Mittlerweile gibt es etwa 1.500 Finanzplaner (wobei sich durchaus wesentlich mehr Finanzdienstleister als Finanzplaner bezeichnen - zumeist aber ohne entsprechend vertiefte Expertise). Eine gewisse Qualifizierungsinitiative mit etwa 900 „Certified Financial Planner“ bietet in Deutschland ein entsprechender Verband (DEVFP) an. Hier sind überwiegend Mitarbeiter von Banken oder ähnlichen Marktteilnehmern organisiert aber durchaus auch sogenannte freie - also institutsungebundene - Finanzplaner.

Neben den Banken sind es dabei vor allem Versicherungen, die Financial Planning als Produkt zur Kundenbindung und Ertragssteigerung verwenden. Im Blickfeld der Banken und Versicherungen befinden sich dabei aber nach wie vor überwiegend Kunden mit hohem Vermögen und/oder großen Einkommen.

 

Vorsicht: Nicht wenige Marktteilnehmer benutzten das Label „Finanzplanung“ als Deckmantel für den reinen Produktverkauf. Ein im Vorfeld erstellter Finanzplan soll hierfür nur die vertrauensbildende und entsprechende Notwendigkeit aufzeigende Expertise bilden.

Die seriösen Marktteilnehmer haben insofern das nicht unerhebliche Problem, sich von selbsternannten (was durchaus kein zwingender Makel sein soll und muss), fachlich eher nicht oder gering qualifizierten Finanzplanern/ Financial Plannern und ähnlichen Wortschöpfungen abzugrenzen.

Es gilt somit für diesen Dienstleistungsansatz, nur solchen Beratern das Vertrauen entgegen zu bringen, welche die entsprechende –wahre- Kompetenz nachweisen und welche aufgrund ihrer Arbeits-/Vorgehensweise eine wirklich unabhängige/ neutrale Position einnehmen können.

 

Wenn hingegen bereits erbrachte Finanzplanungsleistungen zum Gegenstand einer strittigen Auseinandersetzung werden und eine einvernehmliche Klärung/ Regelung ist nicht mehr möglich, dann spätestens sollten beide Parteien externe Neutralität hinzuziehen. Ist das aufgrund verhärteter Streitpositionen nicht mehr möglich, wird die Einschaltung versierter/qualifizierter Anwälte und Gutachter unumgänglich sein. Entsprechende Expertise finden Sie ebenfalls hier auf www.Berater-Lotse.
 
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